In der Stadt von Morgen

Innovation und Nachhaltigkeit

Hamburg auf dem Weg zur Smart City

Hamburg steht vor großen Herausforderungen. Das rasante Wachstum der Stadt und die Folgen des Klimawandels erfordern neue Strategien und smarte Lösungen. Mit dem Wandel zur Smart City stellt die Hansestadt sich für die Zukunft auf und setzt dabei auf die Kompetenz von ABB als weltweit führendem Anbieter für Ladelösungen von Elektrofahrzeugen.

Hamburg wächst und wächst: Fast 1,9 Millionen Menschen leben mittlerweile in der zweitgrößten Stadt Deutschlands und bis 2030 wird nach Schätzungen des Senats die Zwei-Millionen-Marke durchbrochen werden. Der damit einhergehende Ressourcenverbrauch, das steigende Verkehrsaufkommen und der begrenzte Platz zum Wohnen, Leben und Arbeiten erfordern intelligente Zukunftskonzepte. Vor diesem Hintergrund hat sich die Stadt schon vor einer Weile auf den Weg zur Smart City gemacht. Ziel ist es, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, um die Lebensqualität für die Bürger zu verbessern und den Unternehmen einen attraktiven Standort zu bieten. Die Anstrengungen zeigen Wirkung: Vom Branchenverband Bitkom wurde Hamburg im Oktober 2019 zur „smartesten“ Stadt Deutschlands gekürt. Die Metropole erreichte Spitzenwerte in den untersuchten Themenfeldern Verwaltung, IT- und Kommunikationsinfrastruktur, Energie und Umwelt, Mobilität und Gesellschaft. Hamburg ruht sich darauf nicht aus, sondern arbeitet weiter intensiv an intelligenten Konzepten für das künftige Zusammenleben.

Modernster Busbetriebshof in Europa

Ein wichtiges Tätigkeitsfeld dabei ist die Mobilität. Auch sie muss und soll in Hamburg künftig smarter werden, schließlich ist der Verkehrssektor einer der größten Verursacher des Klimawandels. Die Hansestadt setzt dazu auf ein ganzes Bündel an Maßnahmen und will unter anderem ihre gesamte Busflotte von derzeit 1.500 Linienbussen bis 2030 elektrifizieren. Das erfordert neben der Fahrzeugbeschaffung selbst eine komplett neue Ladeinfrastruktur. Im April 2019 hat die Hamburger Hochbahn mit dem Busbetriebshof Alsterdorf den ersten komplett auf E-Mobilität ausgerichteten Busbetriebshof in Deutschland errichtet. Auf mehr als 45.000 Quadratmetern ist der modernste Betriebshof in Europa entstanden. ABB hat die Technologie für das erste von sechs geplanten Ladedepots geliefert.

Leistungsstark und platzsparend

Unter den sechs Carports werden die Busse künftig mit Druckluft und zertifiziertem Ökostrom versorgt. Der Ausbau erfolgt just in time für die künftige E-Bus-Flotte. ABB hat für das erste Ladedepot 44 Ladepunkte des Typs HVC 150C installiert, die elektrische Infrastruktur geplant und bereitgestellt sowie das Depot an das Stromnetz angeschlossen. Das intelligente Lademanagement erlaubt es, alle Fahrzeuge gleichzeitig mit der Leistung von 150 kW über Nacht zu laden. So ist ein emissionsfreier Transport während des Tages möglich. Die Ladesäulen können für einen komfortablen Betrieb platzsparend auf dem Dach montiert werden, für eine zuverlässige Ferndiagnose sorgt die Cloud-Konnektivität der Ladesysteme. Mit diesen Vorteilen konnte das Konzept bei der Hamburger Hochbahn punkten, wie Hendryk Münster, zuständiger Projektleiter des Verkehrsunternehmens, erklärt: „Wir sind von der Leistungs- und Zukunftsfähigkeit der Produkte überzeugt und realisieren mit ABB deshalb das erste Carport mit kompakter Fahrzeugaufstellung und Ladetechnik auf dem Dach.“

Elektromobilität gemeinsam vorantreiben

Mit dem Projekt positioniert sich die Hamburger Hochbahn als führender Treiber für Elektromobilität und hat in ABB den passenden Partner zur Umsetzung umweltfreundlicher Transportlösungen gefunden. Frank Mühlon, bei ABB weltweit für den Bereich Electrical Vehicle Charging Infrastructure verantwortlich, sieht die Zusammenarbeit als Beitrag zur smarten Mobilität der Zukunft: „Wir sind stolz darauf, die Stadt beim Bau des ersten Elektrobusdepots in Deutschland zu unterstützen und sind zuversichtlich, dass die Installation unserer HVC-Depot-Ladesysteme uns in Deutschland einen weiteren Schritt näher an die Verwirklichung eines nachhaltigen, emissionsfreien öffentlichen Verkehrs bringt.“ Das gemeinsame Projekt unterstützt den Wandel der Hansestadt zur Smart City – und könnte beispielhaft für andere deutsche Städte sein.

Mehr zur Ladetechnik für E-Busse

3 Fragen an...

... Martin Schmitz, Geschäftsführer Technik des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV)

Info

Die Smart Cities Initiative

Smarte Energie, Ressourcenschonung und gute digitale Vernetzung sind zentrale Anforderungen an die Stadt der Zukunft. Die Smart Cities Initiative von ABB unterstützt Städte beim Wandel zur Smart City und dabei auf dem Weg zu mehr Lebensqualität, Komfort und Nachhaltigkeit für die Bürger. Ziel ist es, gemeinsam mit den Städten und unter Beteiligung der Menschen die digitale Transformation zu vollziehen und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit mit einer nachhaltigen Entwicklung in Einklang zu bringen. Innerhalb der Smart Cities Initiative hat das Unternehmen einige Städte identifiziert, denen zunächst das Hauptaugenmerk gilt. Im Rahmen der Zusammenarbeit werden passgenaue Lösungen entwickelt, die dazu beitragen, die vorhandenen Infrastrukturen in den Städten effizienter zu gestalten.

Schöner wohnen im Einklang mit der Natur

Smart Home

Nachhaltig, energieeffizient und intelligent wohnen – dieses Ziel haben sich Gina und Robert Hofmann beim Bau ihres Hauses gesetzt. Anfang Juni dieses Jahres wird ihr Traum vom smarten Zuhause Wirklichkeit und sie beziehen ihr neues Heim am Rande von Berlin.

Mitten in der Natur leben, dabei aber den Komfort smarter Anwendungen nutzen: So malt sich das Ehepaar Hofmann ihr künftiges Leben aus. Als die Idee zum Bau eines Eigenheims entstand, war den beiden schnell klar, dass moderne Energielösungen und smarte Features Einzug halten sollten, wie Robert Hofmann erklärt: „Wir haben viele Jahre in Berlin-Friedrichshain gewohnt. Irgendwann wurde es uns dort aber zu voll, laut und teuer. Wir entschieden uns für den Kauf eines gut 1.000 Quadratmeter großen Grundstücks am Rand von Berlin. Und da Nachhaltigkeit für uns schon immer ein wichtiges Thema war, spielte dieser Aspekt auch bei der Planung des Neubaus eine große Rolle.“ Mehr Wohnqualität, Komfort und Sicherheit sowie eine effiziente Energienutzung – diese Mehrwerte stehen bei einem Smart Home wie dem der Hofmanns im Mittelpunkt. Erreicht wird das Plus an Wohlfühlen und Nachhaltigkeit durch vernetzte und fernsteuerbare Geräte sowie Installationen. Was futuristisch klingt, ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Einer Studie des Marktforschungsinstituts mafo.de zufolge setzen immer mehr Verbraucher in Deutschland auf Smart-Home-Lösungen.

Nachhaltige Lösungen

Bei den Hofmanns legt schon die Lage des Grundstücks direkt am Waldrand eine nachhaltige Bauweise im Einklang mit der Natur nah. Optisch spiegelt sich das unter anderem in großen Glasfronten wider, die den Blick aus dem Haus auf Garten und Wald eröffnen. Sie ist aber auch bei den verwendeten Materialien erkennbar. So wurde das Haus aus Poronstein mit Naturdämmstoff erbaut und für den Bodenbelag Bio-Vinylboden verwendet, der Cradle to Cradle zertifiziert ist. Das unabhängige Zertifikat wird für Produkte vergeben, deren Rohstoffe am Ende des Lebenszyklus wieder vollständig und gleichwertig in den Produktionsprozess zurückgeführt werden. Die Energie für die Fußbodenheizung und das warme Wasser wird über eine Luftwärmepumpe bereitgestellt. Und auf dem Dach befindet sich eine Solaranlage mit 28 Solarpaneelen. Eine Speicherkapazität von 20 Kilowattstunden sorgt dafür, dass rund ums Jahr genug Solarstrom verfügbar ist. Bei der smarten Elektrik für ihr neues Zuhause setzen die Hofmanns komplett auf Produkte von Busch-Jaeger. Das Unternehmen der ABB-Gruppe ist Marktführer auf dem Gebiet der Elektroinstallationstechnik und hat sich wie das Ehepaar Hofmann dem Nachhaltigkeitsgedanken verschrieben.

Gina (28) und Robert (33) Hofmann sind in Berlin geboren. Gina schneidet Videos und arbeitet als Grafik Designerin, während Robert als Filmkritiker und Moderator aktiv ist – vor allem auf YouTube und Instagram. Die beiden Veganer haben drei Katzen und lieben es, gemeinsam zu zocken sowie Filme und Serien zu sehen. Das Grundstück haben sie im November 2017 gekauft, die Fertigstellung ihres Hauses erfolgt im Juli dieses Jahres.

Gina und Robert Hofmann an ihrem Hochzeitstag in der Baugrube.

Komfort inklusive

Der Komfort kam für die Hofmanns bei der Planung ihres Neubaus nicht an erster Stelle, ist aber ein durchaus willkommener Nebeneffekt ihres künftigen smarten Zuhauses. „Die Entscheidung für ein energieeffizientes, smartes Haus bringt viele praktische Auswirkungen mit sich“, sagt Robert Hofmann. „Zum Beispiel ist ein CO2-Messer integriert, der bei schlechter Luft automatisch ein Signal aussendet. Solche Funktionen sind natürlich sehr angenehm, denn sie tragen zur Wohnqualität und letztlich auch zur Gesundheit bei.“ Das Ehepaar wird künftig auf eine ganze Reihe smarter Features zurückgreifen können. Viele der Extras unterstützen den Nachhaltigkeitswunsch der beiden. So können sie etwa durch Zeitprogramme für Licht und Jalousien sowie eine intelligente Heizungssteuerung aktiv und ohne Komfortverlust Energie sparen. Andere Funktionen verfügen über einen hohen praktischen Nutzen. Beispielsweise werden in ihrem Haus USB-Steckdosen eingebaut, über die Smartphone und Co. jederzeit schnell geladen werden können. Die Lampen und Jalousien lassen sich mit der Alarmanlage koppeln. Für zusätzliche Sicherheit sorgt eine Klingel mit integrierter Kamera. Ein Wassermelder zeigt an, wenn beispielsweise die Fußbodenheizung ein Leck hat. Und wenn der Rauchmelder angeht, informiert eine Push-Nachricht darüber. Gesteuert werden die smarten Anwendungen ganz bequem über Schalter in jedem Raum, ein zentrales Touchpanel im Wohnzimmer, Tablet oder Smartphone. Die eingebauten Systeme tragen nicht nur zur Sicherheit und Nachhaltigkeit bei, sondern machen das Wohnen auch deutlich angenehmer. Und so freuen sich Gina und Robert schon sehr darauf, in Kürze gemeinsam mit den drei Katzen in eine Umgebung zu ziehen, die grün und smart zugleich ist.

Energiemanagement in der Industrie

Mission to Zero

ABB verfolgt mit der „Mission to Zero“ die Vision einer energieautarken und CO2-neutralen Industrieproduktion. Ein Jahr nach dem Start am Standort in Lüdenscheid zeigt das Tochterunternehmen Busch-Jaeger, dass innovative Lösungen eine nahezu klimaneutrale Produktion schon heute möglich machen.

Den Ausstieg aus fossilen Energiequellen will das Unternehmen auch auf den energieintensiven Bereich der Industrieproduktion ausweiten. Als Vorzeigeprojekt ist im Mai 2019 der erste nahezu CO2-neutrale Fertigungsstandort in Deutschland an den Start gegangen: Busch-Jaeger hat es sich zum Ziel gesetzt, jährlich große Mengen an Kohlendioxid einzusparen und damit einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der Klima- und Umweltsituation in Lüdenscheid zu leisten. Ein Jahr nach der Inbetriebnahme konnten die Erwartungen sogar übertroffen werden: Statt der angestrebten Einsparung von rund 630 Tonnen CO2 pro Jahr konnte die Fertigung in Lüdenscheid bereits 681 Tonnen CO2 einsparen. Ein toller Erfolg für den Produktionsstandort, an dem alle Komponenten und Systeme für die Energieversorgung intelligent miteinander vernetzt sind.

Produktion mit klimaneutralem Sonnenstrom

Der Standort verfügt über eine 7.300 Quadratmeter große Photovoltaikanlage, die über den Parkplätzen des Firmengeländes installiert ist. Die Anlage, die in zwei Bauabschnitten die Arbeit aufnahm, produzierte im zurückliegenden Jahr mehr als 1.100 Megawattstunden an klimaneutralem Sonnenstrom. Das entspricht in etwa dem Jahresbedarf von 340 Haushalten. In Kombination mit einem Blockheizkraftwerk, das mit der doppelten Energieeffizienz eines Kohlekraftwerks arbeitet, kann dabei bei optimalen Bedingungen sogar rund 14 Prozent mehr Energie erzeugt werden, als am Standort benötigt wird. Die überschüssige Produktion wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist und trägt damit zur Versorgung der Region mit nachhaltig produzierter Energie bei. Zur Abdeckung von Bedarfsspitzen wird zusätzliche grüne Energie von der MVV Energie AG bezogen, wodurch eine CO2-neutrale Produktion zu 100 Prozent gewährleistet werden kann.

Innovatives Energiemanagement

Technologisches Herzstück des Gesamtsystems ist das skalierbare Energiemanagementsystem Optimax aus der ABB Ability Energy Management Suite (EMS). Die digitale Lösung stellt die laufende Überwachung und optimale Steuerung der Energieerzeugung, des Verbrauchs und der Speicherung sicher und arbeitet weitgehend autonom. Das lernende System berechnet dabei auf Basis von Vorhersagedaten den optimalen Energiefluss und gleicht Abweichungen in Echtzeit aus. Darüber hinaus kommen weitere Technologien von ABB zum Einsatz, die digital miteinander vernetzt sind. Für die Energiespeicherung zeichnet beispielsweise ein Batteriespeicher BESS (Battery Engine Storage System) mit einer Leistung von 200 Kilowatt und einer Kapazität von 275 Kilowattstunden verantwortlich. Zudem sorgen Ladestationen, an denen Mitarbeiter und Besucher ihre Elektrofahrzeuge kostenfrei aufladen können, für eine zusätzliche Verbesserung der regionalen Ökobilanz. Intelligente Schaltanlagen für die Energieverteilung runden das Energiemanagement ab.

Menschen hinter der Mission to Zero

In Zukunft elektrisch

Bis zum Jahr 2050 soll Deutschland weitgehend treibhausgasneutral werden. So sehen es jedenfalls der Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung und das Bundes-Klimaschutzgesetz vor. Um das ambitionierte Ziel zu erreichen, ist vor allem auch der Sektor Verkehr gefordert, der mit zu den größten Emittenten zählt. Während in anderen Sektoren – Energiewirtschaft, Industrie, Gebäude, Landwirtschaft, Abfall und sonstiges – die Treibhausgas-Emissionen in den vergangenen Jahren zum Teil deutlich gesenkt wurden, liegen die Werte hier nahezu unverändert bei über 160 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Experten sehen vor allem in der Elektromobilität weltweit den Schlüssel zu einer klimafreundlichen Mobilität. Die Anfänge sind gemacht – nicht nur im Individualverkehr.

Der E-Bus

Steigende Nachfrage

Der Linienbus an sich zählt bereits heute zu den klimafreundlichen Mobilitätsangeboten. Laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) ersetzen Busse täglich rund 20 Millionen Autofahrten in Deutschland. Und laut dem Umweltbundesamt lagen die durch Busse ausgestoßenen Stickoxide im Jahr 2017 gerade einmal bei vier Prozent des gesamten Straßenverkehrs. Zum Vergleich: die Pkw waren für 55,9 Prozent verantwortlich. Durch den vermehrten Einsatz von Bussen mit alternativen Antriebsarten – allen voran dem E-Bus – könnte die positive Umweltbilanz noch deutlich besser ausfallen. Einige Verkehrsunternehmen wie zum Beispiel die Hamburger Hochbahn, die ESWE in Wiesbaden oder die Bogestra im Ruhrgebiet haben bereits die ersten Schritte zur Modernisierung ihrer Busflotten unternommen. Aktuell fahren laut VDV in Deutschland – Stand Februar – insgesamt 400 Elektrobusse, bis Ende des Jahres wird die Zahl voraussichtlich auf etwa 1.000 E-Busse steigen.

Die Schifffahrt

In Zukunft sauber übersetzen

Auch in der Schifffahrt wächst das Interesse an sauberen Antrieben. Initialzündung dürften unter anderem die neuen Bestimmungen der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO), so etwa die Verordnung IMO2020 zur Senkung des maximal zulässigen Schwefelgehalts von Schiffstreibstoffen, sein, die seit Anfang des Jahres in Kraft sind. Elektromobilität auf dem Wasser ist auch schon heute erlebbar. Zu den Vorreitern zählt hier Norwegen, wo bereits seit Jahren elektrisch angetriebene Fähren unterwegs sind. Andere Länder ziehen nach. So setzen zum Beispiel auch Dänemark und Island im Fährverkehr bereits auf saubere Antriebe. Unterdessen wollen Reedereien viel Geld in die Entwicklung neuer und sauberer Schiffsantriebe – auch für Frachter – investieren. Das gab der Dachverband International Chamber of Shipping (ICS) im Dezember bekannt.

Die Bahn

Vorreiter beim Klimaschutz

Bahnfahren ist aktiver Klimaschutz. Zahlen des Umweltbundesamtes (Bezugsjahr 2018) belegen: die Eisenbahn zählt in Deutschland – sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr – zu den klimafreundlichsten Verkehrsmitteln und leistet damit einen aktiven Beitrag zum Schutz des Klimas. Während etwa der Pkw mit 147 Gramm pro Personenkilometer an Treibhausgasemissionen direkt hinter dem Inlandsflugzeug (230 g/Pkm) die Liste anführt, bringt es die Eisenbahn im Nahverkehr gerade einmal auf 57 und im Fernverkehr sogar nur auf 32 g/Pkm. Auch im Güterverkehr kann die Eisenbahn punkten. Hier sind es 18 Gramm pro Tonnenkilometer. Zum Vergleich: Der Lkw liegt bei 112 g/tkm. Um diesen Umweltvorteil der Eisenbahn noch weiter auszubauen, macht sich die Branche für eine schnellere Elektrifizierung des Schienennetzes stark. Als Meilensteine nennt die Allianz pro Schiene einen Elektrifizierungsgrad von 70 Prozent in Deutschland im Jahr 2025 gegenüber aktuell rund 60 Prozent und ein Elektrifizierungsgrad von mindestens 75 Prozent im Jahr 2030. Und für die Strecken, die nicht elektrifiziert sind, sollten zukünftig Fahrzeuge mit alternativen Antrieben zur Verfügung stehen, die auch ohne Oberleitung elektromobil unterwegs sein können, so der Branchenverband.

Das E-Auto

Nachholbedarf auf der Straße

Mehr als 47,7 Millionen zugelassene Pkw in Deutschland meldete das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zum 1. Januar 2020. Ein Plus von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erfreulich: Der Anteil an Elektro-Pkw und an anderen alternativen Antriebsarten steigt. So stellte das KBA erhebliche Steigerungen vor allem bei den Elektrofahrzeugen um 64,3 Prozent fest. Hybridfahrzeuge brachten es auf ein Plus von 58 Prozent. Doch betrachtet man die absoluten Zahlen und den Anteil am Gesamtbestand wird deutlich: Die Elektromobilität hat in dem Bereich noch Nachholbedarf. Der Anteil an Elektro-Pkw ist überschaubar und liegt gerade einmal bei 0,3 Prozent (136.617). Nach wie vor zählen Benzin mit 65,9 und Diesel mit 31,7 Prozent mit Abstand zu den häufigsten Kraftstoffarten. Das soll sich ändern. Nach dem Willen der Bundesregierung sollen bis 2030 mindestens sieben Millionen Elektrofahrzeuge zugelassen sein. Der Umstieg wird mit Kaufprämien und steuerlichen Anreizen gefördert. Auch die Zahl der Ladepunkte soll erhöht werden – auf eine Million öffentliche Ladepunkte bis 2030. Denn umsteigen wird nur, wer auch die entsprechende Infrastruktur vorfindet.

Der Elektro-Lkw

Saubere Schwergewichte

Nach Angaben der EU-Kommission verursachen Lkw und Busse etwa ein Viertel der CO2-Emissionen im Straßenverkehr und rund sechs Prozent der gesamten CO2-Emissionen in der EU. Im vergangenen Jahr haben sich daher die Mitgliedsstaaten auf eine EU-weit strengere Emissionsgrenzwerte für neue Lkw und Busse geeinigt: Bis 2025 soll der Ausstoß von klimaschädlichen Kohlendioxid um 15 und bis 2030 um 30 Prozent gesenkt werden. Hinzu kommen Regularien und Zufahrtsbeschränkungen, die einzelne Städte für konventionelle Lkw erlassen haben. Auch hier scheint kein Weg an der Elektromobilität vorbeizuführen. Die Hersteller arbeiten zunehmend an der Elektrifizierung ihrer Nutzfahrzeugflotten und verfolgen dabei verschiedene Ansätze. In Hessen wurde zum Beispiel erst im vergangenen Jahr auf der A5 die erste deutsche Teststrecke für Oberleitungs-Hybrid-Lkw eröffnet.

Der E-Motorroller

Mobilitätsalternative für Ballungsräume

Enge Straßen, kaum Parkplätze, zäh fließender Verkehr – gerade in den Städten und Metropolen können Zweiräder ihre Stärken ausspielen. Hinzu kommt, dass gerade in urbanen Gesellschaften der eigene Pkw zunehmend als Last empfunden wird. E-Motorroller, die sich optisch kaum von herkömmlichen Varianten unterscheiden, erfreuen sich großer Beliebtheit – vor allem als Leihvariante verschiedener Sharinganbieter. Die Zahl der Leihmotorroller stieg im Jahr 2019 weltweit um 164 Prozent, so der Global Scooter Sharing Market Report 2019 des Herstellers Unu. Allein in Deutschland um rund 42 Prozent. Rund 70,6 Prozent der Roller weltweit sind laut der Studie schon heute Elektrofahrzeuge.

Ladeinfrastruktur

Voraussetzung für mehr E-Mobilität

Laut Bundesregierung sollen bis 2021 eine Million E-Autos auf Deutschlands Straßen fahren. Basis für die zunehmende Elektrifizierung des Verkehrs ist eine deutlich verbesserte Ladeinfrastruktur.

Eine aktuelle Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena) und Prognos im Auftrag des Energieunternehmens EnBW zeigt, dass gerade in bevölkerungsreichen Wohngegenden mit Mehrfamilienbebauung Nachholbedarf besteht. Die Studie fand heraus, dass in Häusern mit ein oder zwei Wohnungen acht bis zwölf Millionen Ladepunkte vorhanden sind, in größeren Gebäuden aber nur 0,45 Millionen bis 1,8 Millionen. Für verdichtete Wohnräume mit Mehrfamiliengebäuden, und dies insbesondere in Regionen mit starker Kaufkraft, bedarf es daher nach Ansicht der Autoren eines konzentrierten und verstärkten Aufbaus der öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur, um den politisch gewünschten Absatz von Elektrofahrzeugen zu ermöglichen.

Mehr öffentlich zugängliche Ladestationen

„Voraussetzung für den so dringend benötigten Markthochlauf der Elektromobilität sind attraktive Fahrzeuge und die entsprechende Ladeinfrastruktur“, betont Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung. Daher sei es gut, dass die Hersteller ihr Portfolio künftig deutlich verbreitern. Erst wenn Elektroautos in unterschiedlichen Größen verfügbar sind, wird Elektromobilität auch für breitere Verbrauchergruppen interessant, ist der Experte überzeugt. Damit wächst jedoch auch der Bedarf an Zugang zu privater und öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur. „Wie die neue Studie zeigt, bedarf es gerade für Bewohner in verdichteten Gebieten, die in Mehr-Parteien-Gebäuden leben, eines zügigen Zubaus an öffentlicher Ladeinfrastruktur. Der Einsatz von Fördermitteln sollte sich daher daran orientieren, ein zusätzliches, öffentlich zugängliches Ladeinfrastrukturangebot für alle Bevölkerungsgruppen zu schaffen, um einen Engpass der Ladeinfrastrukturverfügbarkeit sowie des Fahrzeugabsatzes zu vermeiden,“ so Kuhlmann weiter. Und EnBW-Vertriebschef Timo Sillober ergänzt: „Der zu erwartende Bedarf zeigt, dass der Aufbau der privaten und öffentlichen Ladeinfrastruktur sehr schnell stattfinden muss. Bereits ab dem Jahr 2022 ist regional mit Engpässen an öffentlich zugänglichen Ladestationen zu rechnen. Wichtig ist dabei insbesondere der Ausbau von Schnellladeinfrastruktur im urbanen Raum. Als Betreiber des größten Schnellladenetzes in Deutschland forcieren wir daher unser Engagement auch in diesem Bereich – nicht nur beim Ausbau des deutschlandweiten Schnellladenetzes an Fernverbindungen.“

Elektromobilität auf Langstrecken

Um grenzüberschreitend Elektromobilität möglich zu machen, ist natürlich auch ein Ausbau des Schnellladenetzes an Fernverbindungen erforderlich. Neben EnBW sind hier auch andere Anbieter aktiv. Ein Beispiel: Ionity, ein 2017 gegründetes Gemeinschaftsunternehmen der BMW Group, Mercedes-Benz AG, Ford Motor Company sowie der Volkswagen Group mit Audi und Porsche, arbeitet am Aufbau eines flächendeckenden High-Power-Charging-Netzwerkes (HPC) für Elektrofahrzeuge in Europa, um eine komfortable Elektromobilität auf Langstrecken zu gewährleisten. Eine Statistik von Statista (Stand: November 2019) zeigt, dass im europäischen Vergleich vor allem die skandinavischen Länder vorne liegen, was die Anzahl der Schnellladestationen pro 100 Fernstraßenkilometer anbelangt. Norwegen führt mit 400, gefolgt von Schweden mit 242 und Island mit 195 Stationen, die Liste an. Deutschland liegt mit 34 auf dem sechsten Platz.

Wandladestation für Haushalte und Unternehmen

Fernstraßenkilometer in europäischen Ländern (Stand: November 2019)

Quelle: EAFP, Statista 2020

Formel E – Ideale Testplattform für den eAlltag

Die ABB FIA Formel E Championship geht Anfang August weiter und in Berlin in die entscheidende Saisonphase. Im Hintergrund der zukunftsweisenden Rennserie laufen die Planungen zudem bereits für die 7. Saison ab Dezember. Im Fokus stehen zahlreiche Techniktests, die den Herstellern auch bei der Weiterentwicklung der Elektromobilität im eAlltag helfen.

Die Formel E-Saison geht nach über dreimonatiger Corona-Pause mit einem „Sixpack“ in Berlin Tempelhof am 5. August weiter. Bis zum Saisonfinale am 13. August werden sechs Rennen ausgetragen, die jeweiligen Doppelrennen sollen dabei eine eigenen Streckenführung haben, die noch bekanntgegeben wird. Möglicherweise kommt es auch zu einem Flutlicht-Rennen. Bisher war der Kurs in Berlin Teil in jedem Rennkalender der ABB FIA Formel E Championship. Jetzt kommt es hier zum Saisonhöhepunkt – leider ohne Zuschauer vor Ort.

Nach dem angekündigten Rückzug von Audi aus der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft (DTM) nach der Saison 2020 wird das Augenmerk auch auf die beiden von Audi belieferten FE-Teams liegen, denn dort sieht das Unternehmen seine Zukunft im Motorsport. „Wir fokussieren uns auf der Rennstrecke und fahren konsequent um den Vorsprung von morgen. Die Formel E bietet dafür eine sehr attraktive Plattform“, so der neue Vorstandschef Markus Duesmann. Ähnlich sieht das Britta Seeger, Vorstandsmitglied der Daimler AG und Mercedes-Benz AG und verantwortlich für den Mercedes-Benz Cars Vertrieb: „Die Serie ist die ideale Plattform, um die Leistungsfähigkeit von intelligenten batteriebetriebenen Fahrzeugen zu demonstrieren und die Marke EQ positiv aufzuladen. Eines unserer großen Ziele ist es, unsere Marke zu einer zu machen, die nicht nur respektiert, sondern auch geliebt wird. Dabei hilft uns die Formel E.“ Neben Audi und Mercedes-Benz sind eine Reihe weiterer bekannter Automarken in der sechsten Formel E Saison, darunter auch BMW, Porsche oder Jaguar vertreten und messen sich auf attraktiven Stadtkursen vor sonst zehntausenden von Zuschauern. Insbesondere mit Blick auf die Hersteller hat die Formel E bereits begonnen, der Formel 1 den Rang abzulaufen.

Interview mit dem Formel-E Experten Timo Pape

Neue Zielgruppen erreichen

Welche Technologien den Weg vom Rennauto in die Serie finden, erklärt Formel E Experte Timo Pape, Gründer und Betreiber des Portal e-formel.de im Interview: